Aus: Kraftfahrzeugtechnik 39 1989
Zur Benzineinspritzung in Zweitakt-Ottomotoren
Dozent Dr.-Ing. M Behrens (KDT), Dipl.-Ing. Chr. Olbrich (KDT).
Ingenieurschule Zwickau, Sektion Kraftfahrzeugtechnik (Direktor:
Prof. Dr.-Ing. Meißner)
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Ausgehend von den Vorschriften, die die Schadstoffgrenze
in den Abgasen von PKW - Ottomotoren festlegen, wird seit einiger
Zeit über die Zukunft der Zweitakt- Ottomotoren heftig diskutiert.
Der Grund dafür ist, daß sie Abgase emittieren, die
mehr Kohlenwasserstoffe enthalten als vergleichsweise Viertaktmotoren.
Außerdem hinterlassen sie beim Kaltstart eine sichtbare
Abgasfahne. Das trifft aber auch beim Dauerbetrieb auf, falls
mit einem großen Ölanteil im Kraftstoff oder mit gezo-
genem Choke gefahren wird. Bei diesen Diskussionen scheint von
untergeordneter Bedeutung zu sein, daß die Konzentration
des gültigen Kohlenmonoxids in den Abgasen der Zweitaktmotoren
wesentlich geringer als in dem der Viertaktmotoren ist. Die Stickoxid-Emission
für Ottomotoren war in Europa nicht begrenzt. Seit dem 01.10.1976
ist allerdings die Änderung 02 zur ECE-Regelung Nr. 15 in
Kraft, die die NOx-Begrenzung zum Inhalt hat. Es ist wenig erfolgversprechend,
aus dieser Sicht und im Hinblick auf die gegenwärtige lufthygienische
Wartung der Schadstoff- komponenten (1) gegen die Interessen
europäischer Hersteller von Viertakt- Ottomotoren die von
vielen Staaten anerkannte ECE-Regelung Nr. 15 angehen zu wollen.
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Auf der Seite der Verteidiger der ECE- Regelung
Nr. 15 ist außerdem das Argument , daß mit dem Wachsen
der Kenntnisse über die Schadstoffe die Vor- schriften für
noch zulässigen Konzen- trationen öfter verschärft
als gelockert werden.1) 1. Ursachen der größeren Kohlenwasser-
stoff - Emission |
Im allgemeinen ist deshalb zu verzeichnen,
daß entweder Abgasteile aus dem voran- gegangenen Arbeitsspiel
im Zylinder verbleiben oder das Kraftstoff- Luft- Gemisch unverbrannt
in den Auspuff gelangt. Letzteres führt unmittelbar zu einer
entsprechenden Kohlenwasserstoff- Konzentration in den Abgasen.
Mit dem Ladungswechsel steht eine weitere Ursache im Zusammenhang:
bei Teillast wird dem Zylinder infolge der Drossel- regelung
eine entsprechend kleinere Gemischmenge zugeführt. Diese
verdrängt beim Ladungswechsel eine entsprechend geringe
Abgasmenge. Der im Zylinder nach dem Ladungswechsel verbleibende
Abgas- rest ist in diesem Maß größer. Dadurch
entsteht bei geringer Last ein Gemisch, das nicht mehr zündfähig
ist, und es findet keine Verbrennung statt. Erst wenn ein weiterer
oder mehrere Ladungswechsel stattgefunden haben, ist der im Zylinder
verbleibende Abgasrest mit Frischgas so verdünnt, daß
wieder Zünd- und Brennbedingungen gegeben sind. In der Zwischenzeit
hat jedoch während jedes Ladungswechsels ein Teil des mit
dem Frischgas zugeführten Kraftstoffs den Zylinder durch
den Auspuff verlassen und eine erhebliche Kohlenwasserstoff-Konzentration
in den Abgasen bewirkt (2).
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Die durch beide Ursachen hervorgerufene Kohlenwasserstoff-Emission
führt dazu, daß an Zweitaktmotoren Im Leerlauf etwa
5000 bis 10000 ppm und bei Teillast etwa 3000 bis 5000 ppm Kohlenwasserstoff-
Konzentrationen im Abgas gemessen werden. Im Gegensatz dazu beträgt
die Kohlenwasserstoff-Konzentration in den Abgasen von Viertaktmotoren
nur etwa 200 bis 800 ppm. Wie sich rechnerisch abschätzen läßt, kann die Schmierung des Motors durch ein Kraftstoff-Ölgemisch (50:1) an diesem Verhältnis nur unwesentlich beteiligt sein, weil überdies ein Teil des zugeführten Schmieröls verbrennt. Die Gültigkeit dieser Aussagen vorausgesetzt, wurden Untersuchungen konzipiert, die Kohlen- wasserstoff-Konzentrationen an einem Zweitakt-Ottomotor auf die Werte von Viertaktmotoren zu verringern. |
2. Möglichkeiten zur Verringerung der Kohlenwasserstoff-Emission
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Dieser Nachteil wird bei herkömmlichen
Brennraumformen auch dann nicht vermieden, wenn dem Zylinder
statt des Gemisches eine entsprechende Luftmenge zugeführt
und der Kraftstoff eingespritzt wird. Verbrennungsaussetzer wie
im Vergaserbetrieb wären die Folge. Zünd- und Brennbedingungen
sind nur gegeben, wenn mindestens in der Umgebung der Zündkerze
ein brennfähiges Gemisch vorliegt. Die Aufgabe steht folglich
darin, eine Ladungseinrichtung zu verwirklichen. Dabei darf prinzipiell
ohne störende Auswirkungen bei Teillast der übrige
Zylinderraum mit Abgas gefüllt sein. Es bereitet erhebliche
Schwierigkeiten, bei einem Motor mit Kurbelkammspülung eine
solche Ladungseinrichtung zu erzielen, die zunächst aus
Luft und Abgas besteht.
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Viertaktmotoren mit Vergaser verfügen für die Ladungsschichtung über ein besonderes ausgebildetes oder ein separates Einlaßventil. Für Zweitaktmotoren ist ein Einlaßventil unter der Bedingung eines "einfachen Motors" keine diskutable Lösung. Andere konstruktive Ausführungen haben sich bisher noch nicht hinreichend bewährt. Es ist deshalb sinnvoll, von der Drosselregelung zur Qualitätsregelung überzugehen, d.h. den Zylinder während jedes Arbeitsspiels mit Luft vollständig so zu spülen, daß von dieser Seite her die Zünd- und Brennbedingungen gegeben sind und anschließend eine Ladungsschichtung mit Benzineinspritzung herbeigeführt wird .3. Untersuchte Varianten und erzielte
Ergebnisse
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3.1 Einspritzung vom Boden des Serienbrennraumes Die Direkteinspritzung vom Brennraumboden
aus gegen den aufsteigenden Spülstrom erzeugt eine geringfügig
geschichtete Ladung, die eine drehzahlabhängige Verstellung
des Einspritzendes mit relativ großer Genauigkeit erfordert
[4]. Wird das Einspritzende (EE nämlich konstant, z. B.
bei UT, festgelegt, so ist der Ladungsteil mit den günstigen
Zündbedingungen (( um 0,9) nur in einem kleinen Drehzahlbereich
der Zündkerze vorgelagert. Bei Verände- rung der Drehzahl
verschlechtern sich dann sowohl spezifischer Kraftstoff- verbrauch
be als auch Kohlenwasserstoff- Konzentration KCH. Im unteren
Teillast- bereich kommt es sogar zu vereinzelten Verbrennungsaussetzern,
und der Leerlauf- betrieb unterscheidet sich kaum von dem des
vergaserbetriebenen Motors, d. h. die Kohlenwasserstoff- Konzentration
im Abgas ist KCH>5000 ppm. KCH ist im übrigen Kennfeld
bei dieser Art der Gemischbildung zwar bis zu 30 % geringer als
bei Vergaserbetrieb, aber noch bei weitem größer ,
als es die Grenzwerte nach der ECE-Regelung Nr. 15 zulassen.
Ein Ausspülen von eingespritztem Kraftstoff ist dafür
nicht allein verantwortlich. Das zeigt Bild 1, wo sich bei Einspritzung
in Nähe von "Auslaß schließt" KCH
nur geringfügig ändert, der Verbrauch sich aber erheblich
verschlechtert.
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Zum Vergleich soll hier nun ein Kennfeldpunkt
herangezogen werden, der für den zum Europäischen Fahrzyklus-Abgastest
(EFA) [5] gehörenden Kennfeldbereich im Zusammenhang mit
dem untersuchten Motor als repräsentativ angesehen werden
kann, nämlich die Energiedichte: Als eine der Ursachen für die noch relativ große Kohlenwasserstoff- Konzentration ist das Durchschlagen des Kraftstoffstrahls auf den Kolben- boden festgestellt worden. Durch Verringern des Düsenöffnungsdruckes und des Öffnungsquerschnittes wurde die Strahlreichweite verkleinert. Um die Spülung zu intensivieren und die Füllung in einem weiten Teillastbereich zu verbessern, kann bei Einspritzung der Luftdurchsatz durch Offenhalten der Drosselklappe vergrößert werden, ohne daß Kraftstoff-Spülverluste bedeutsam werden. Mit Hilfe dieser Maßnahmen wurden erreicht: |
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be = 378 g/kWh, Eine Einspritzung vom Überströmkabel aus in. . . . . . . . .. . . . . . keinen wirkungsvollen Unterschied zum vergaserbetriebenen Motor, weil auch in diesem Fall raum- verteilte Ladung mit Spülverlusten auftritt. Zur besseren Steuerung der Gemisch- bildung und damit Schichtung der Ladung läßt sich der Einspritzstrahl räumlich aufteilen. Zu diesem Zweck wruden Strahlaufteiler gebaut und erprobt, die einen Teilstrahl zur Zündkerze hin ablenken. Bild 2 zeigt, daß bei genügend später Einspritzung ((EE < 160°KW vor OT) der Schichtungseffekt wirksam wird und sich dabei durch günstigere Verbrenn- ungseinleitung und Ausschaltung von Spülverlusten KCH weiter verringert läßt. Die geringste Kohlenwasserstoff- Konzentration ergab sich bei :
Dabei noch emittierte Kohlenwasserstoffe entstammen vor allem der unvollkommenen Verbrennung, die durch die Störung des Kraftstoffstrahls am Strahlaufteiler ver- ursacht wird. Die sich bildenden relativ großen Tropfen bewirken aufgrund ihrer längeren Aufbereitungszeit die hohen Verbrauchswerte. Bei Ladungsschichtung ist trotz eines Gesamtluftverhältnisses ( 1,1 Kohlenmonoxid im Abgas vorhanden, da einzelne Schichten unter Luftmangel verbrennen. |
Um alle genannten Probleme zu umgehen, bietet
sich eine Direkteinspritzung an, bei der die Ladung im wesentlichen
im Brenn- raum verbleibt. Die Luftzuführung in den Brennraum
und die Gemischbildung werden durch den Quetschwirbel begünstigt.
Von geteilten Brennräumen wurde abgesehen, weil dabei Wirkungs-
gradeinbußen - zum einen durch größere Wärmeübertragungsverluste
wegen des größeren Oberflächen- Volumen- Verhältnisses
und zum anderen durch Überströmverluste zwischen den
Brennraumteilen - auftreten würden. Außerdem wird
das Gemischbildungs- system durch eine zweite Einspritzdüse
oder einen zusätzlichen Vergaser kompliziert, weil zur vollkommenen
Verbrennung des Kraftstoffs auch der übrige Brennraum ein
armes Gemisch enthalten muß. be = . . . . . g/kWh,
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Die enorme Verminderung von KCH bedeutet,
daß die Verbrennung nahezu vollkommen ist bzw. daß
die auf eine kleine Brennraumfläche aufgespritzte, nicht
vollständig verbrennende Teilmenge des Kraftstoffs den einzig
verbleibenden Spülverlust darstellt. Bei Vergrößerung
des Strahlkegelwinkels ( wird auf eine größere Fläche
der Brennraumwand gespritzt und der Kraftstoff insgesamt besser
aufgeteilt. Dadurch ergibt sich vor allem eine Verminderung des
spezifischen Kraftstoffverbrauchs mit folgenden Werten: Der bei diesem Verfahren mehr wandverteilte
Kraftstoff benötigt eine etwas längere Aufbereitungszeit.
Deshalb erweist sich ein Einspritzende (aEE ( 80° KW vor
OT bei der untersuchten Drehzahl n = 35 U/s als günstig. |
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Das praktizierte Gemischbildungsverfahren reiht
sich ein in die in den letzten Jahren erprobten Verfahren der
Schichtladung ([6] [7] [8], hat aber diesen gegenüber zwei
Vorteile: - Aufbau und Funktionsweise des Motors mit Schichtladung sind relativ einfach, und es ergibt sich - Kraftstoffverbrauchsminderung im Vergleich zu dem Serienmotor. Im Bild 4 wird der zweite Vorteil deutlich. Verglichen werden Kraftstoffverbrauch und Kohlenwasserstoff-Konzentration eines Viertakt-Ottomotors [9] mit den Werten eines Zweitakt-Ottomotors, wobei jeweils ein mit Einspritzung ausgerüsteter Serienmotor und die Ladungsschichtungs- variante in Betracht gezogen sind. |
4. Schlußfolgerung Eine wirksame Verringerung der Kohlenwasser.................. Ottomotoren ist möglich, wenn auf die Gemischspülung verzichtet wird. Die Direkteinspritzung in den Zylinderraum verbessert zwar die motorischen Kennwerte, garantiert aber nicht, daß immer ein zündfähiges Gemisch zum Zündzeitpunkt an der Zündkerze vorhanden ist. Durch die damit verbundenen Verbrennungsaussetzer wird Kohlenwasserstoff emittiert. Mit einer gerichteten Einspritzung in den Brennraum - in Verbindung mit gerichteter Luftströmung - sind die Verbrennungsaussetzer vermeidbar. |
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